Landtagswahl am 21. September 2003
Pressefragebögen
Fragen nach Vorgabe von PRO-Regenwald an die Landtagsabgeordnete Heidi Lück
Viele unserer UnterstützerInnen haben uns im Vorfeld der Wahlen für den Bayerischen Landtag um Information darüber gebeten, wie die sich zur Wahl stellenden KandidatInnen zu umwelt- und entwicklungspolitischen Themen stehen und ob und ggf. wie sie sich für dieses Thema engagieren (wollen). Daher bitten wir Sie heute, unsere Fragen zu drei ausgewählten Themen (Papier, Holz und Soja) aus diesem Bereich zu beantworten und damit Ihren Standpunkt zur entwicklungspolitischen Bildungs- und Lobbyarbeit darzulegen. Befragt werden alle KandidatInnen. Die Ergebnisse der Befragung werden am Freitag vor der Landtagswahl per e-mail an die InteressentInnen versandt und auf unserer Internetseite veröffentlicht. Selbstverständlich können und werden wir als parteipolitisch unabhängiger Verein keine Empfehlung zugunsten eines bestimmten Kandidaten oder einer bestimmten Partei abgeben. Wir denken, dass Ihre Antworten für sich sprechen und die WählerInnen ihre Entscheidung selbst treffen werden. Die Beantwortung der Fragen dauert nur wenige Minuten. Wir erwarten nicht, dass von allen Befragten alle Fragen beantwortet werden müssen, insbesondere nicht bei Fragen, die im Detail die Kompetenz der Befragten übersteigen.
Pro REGENWALD
80807 München
www.pro-regenwald.de
Thema Papier
Auch der Papierverbrauch bayrischer MitbürgerInnen (ca. 220 kg/Kopf/Jahr) trägt zur Waldzerstörung vor allem in nordischen Wäldern (Kanada, Russland) bei. Die Nutzung von Recyclingpapier nimmt ab. Inzwischen fallen dem steigenden Bedarf nach frischem Zellstoff BEI UNS sogar Regenwälder zum Opfer und in den Tropen werden zunehmend Papierplantagen mit verheerenden ökologischen und sozialen Folgen angelegt.
Angesichts der beschriebenen Umstände ist es geboten, a) den absoluten Papierverbrauch zu senken und b) den Anteil von Recyclingpapier am Verbrauch zu erhöhen. Werden Sie sich persönlich dafür einsetzen, dass in bayrischen Ämtern, Schulen und Universitäten bevorzugt Recyclingpapier eingesetzt wird?
Nachdem ich mich schon früher ganz engagiert für den Gebrauch von Altpapier eingesetzt habe, werde ich dies auch weiterhin tun. Auf unser Betreiben wurde in vielen Ämtern Recyclingpapier eingesetzt. Allerdings kamen viele davon wieder ab, weil angeblich die Bürogeräte dies nicht vertragen. Nachdem ich selbst fast nur Recyclingpapier verwende, weiß ich, dass dies nicht stimmt.
Eine Ursache für die Abnahme der Recyclingpapiernutzung ist nach Analyse von Instituten und diversen Umweltverbänden mangelndes Wissen und fehlendes Bewusstsein über die Folgen des hohen Papierverbrauchs auf Erzeugerregionen. Sind Sie der Meinung, dass es in einem ersten Schritt Pflicht und Aufgabe des Staates ist, die MitbürgerInnen über diese Zusammenhänge aufzuklären?
Sind Sie der Meinung, dass es Pflicht und Aufgabe des Staates ist, weitere geeignete Maßnahmen zur Abstellung der Missstände zu treffen?
Ich denke bei Aufklärung ist natürlich auch der Staat gefordert. Eine größere Breitenwirkung hat es allerdings immer, wenn sich daran aktiv auch viele Verbände beteiligen.
Staatlicherseits ist aber gerade im Bereich Ämter und Schulen Handlungsbedarf gegeben.
Wenn Umweltverbände Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu dem genannten Thema machen, stellt sich die Frage nach der Finanzierung dieser Arbeit. Sind Sie der Meinung, dass der bayrische Staat Mittel für Umweltverbände für die genannte Problemstellung/Aufgabe bereitstellen sollte?
Aus welchem Etat oder von welcher Stelle müsste die Arbeit finanziert werden?
Hier kommt das Umweltministerium in Frage. Denn wer von Nachhaltigkeit redet, wie dies gerade der bayer. Umweltminister in jedem Satz mindestens 3 mal tut, muss sich auch an den Taten messen lassen. Im übrigen gibt es auch Möglichkeiten, die sehr wenig kosten, wie die schriftliche Aufforderung an nachgeordnete Behörden.
Werden Sie sich persönlich für eine Finanzierung der genannten Aufgabe einsetzen?
Ja
Thema Handel mit zum Teil illegalem Raubbau-Holz
Illegaler Holzeinschlag und Handel ist eine der Hauptursachen für die Zerstörung der letzten Urwälder der Erde. Den Exportländern entgehen auf diese Weise mindestens 10-15 Milliarden Euro pro Jahr an Steuereinnahmen. Illegales Holz ist billiger als solches aus legaler und nachhaltiger Produktion auch heimische Hölzer und Waldbesitzer geraten dadurch unter Absatz- und Preisdruck.
Der Import illegaler Hölzer ist bislang nicht verboten. Treibende Kraft für die Produktion von und den Handel mit illegalen Hölzern ist die Tatsache, dass Händler diese Ware handeln und dass KonsumentInnen diese Produkte kaufen.
Sind Sie der Meinung, dass es ein Importverbot für illegale Hölzer geben sollte?
Ja. Ich denke hier mit einem nein zu antworten, wäre mehr als scheinheilig, denn das ist sicher nicht durchsetzbar.
Es gibt aber eine Menge Möglichkeiten,
Nach Analyse unabhängiger Institute und verschiedener Umweltverbände ist eine Ursache für die Geschäfte mit illegalen (und sonstigen nichtnachhaltig produzierten) Hölzern und Holzprodukten mangelnde Information sowohl beim Handel als auch bei den KonsumentInnen. Ist es nach Ihrer Meinung Pflicht und Aufgabe des bayrischen Staates, den Handel und die MitbürgerInnen über diese Zusammenhänge aufzuklären?
Ja – auch das gehört zum aktiven Verbraucherschutz
Sind Sie - angesichts der verheerenden ökologischen/sozialen Folgen in den Erzeugerregionen und auch dem enormen Konkurrenzdruck auf bayerische Waldbesitzer - der Meinung, dass es Pflicht und Aufgabe des Staates ist, weitere geeignete Maßnahmen zur Abstellung der Missstände zu treffen?
Ja
Welche Maßnahmen würden Sie vorschlagen?
Ein wichtiger Schritt war sicher die Zertifizierung bei uns voran zu treiben, um auch hier die Erkennbarkeit, woher das Holz kommt und wie es produziert wird, herzustellen.
Darüber hinaus muss in den Werbekampagnen immer wieder auf diese Zusammenhänge hingewiesen werden.
Ich unterstütze auch die regionalen Zusammenschlüsse der Kräfte aus der gesamten Wertschöpfungskette Holz vom Waldbesitzer bis zum Endkunden. Daher bin ich auch im hiesigen Holzforum Allgäu e.V. Mitglied geworden.
Wenn Umweltverbände Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu dem genannten Thema machen, stellt sich die Frage nach der Finanzierung dieser Arbeit. Sind Sie der Meinung, dass der bayrische Staat Mittel für Umweltverbände für die genannte Problemstellung/Aufgabe bereitstellen sollte?
Aus welchem Etat oder von welcher Stelle müsste die Arbeit finanziert werden?
Ja, ich denke zum einen aus dem Umweltbereich und zum anderen auch aus dem Forstbereich.
Werden Sie sich persönlich für eine Finanzierung der genannten Aufgabe einsetzen?
Ja
Thema Sojaimporte und Regenwaldzerstörung in Amazonien
Der Import von Futtermitteln auf Sojabasis ist insbesondere nach der BSE-Krise deutlich angestiegen. Dem Sojaanbau fallen in Amazonien jährlich hunderttausende von Hektar erhaltenswerter Ökosysteme und auch Regenwald zum Opfer. Für die ernährungs- und gesundheitspolitisch fragwürdige Überproduktion von Fleisch werden damit sowohl in Brasilien, als auch in Deutschland kleinbäuerliche Strukturen und die Umwelt geopfert. Über den Eintrag von Stickstoff über Soja entsteht ein Entsorgungsproblem (Gülle), welches mittlerweile auch in Bayern hohe Belastungen für die Umwelt verursacht.
Sind Sie der Meinung, dass es ein Importverbot von Soja geben sollte, wenn es nachgewiesener Maßen aus umweltzerstörender Produktion kommt?
Natürlich würde ich jetzt gern ja sagen. Allerdings denke ich nicht, dass dies umsetzbar ist. Viel effektiver ist es, wenn bei den WTO-Verhandlungen genau diese Themen auf den Tisch kommen und Möglichkeiten gefunden werden, um diesen Irrsinn zu stoppen.
Sind Sie der Meinung, dass gentechnisch verändertes Soja aus dem Ausland in Bayern eingesetzt werden darf?
Auch hier muss ich wie oben antworten: Es wäre wünschenswert, doch leider wird dies wegen der weltweiten Abkommen so nicht durchsetzbar sein. Deshalb müssen wir verstärkt über die Zusammenhänge und die Folgen in beiden Ländern – also den Herkunfts- und dem Abnehmerland aufklären. Deshalb verlange ich auch eindeutige Kennzeichnungen.
Die Ökolandwirtschaft muss größtenteils ohne Zufuhr von Fremdeiweißfutterzusätzen wirtschaften. Wäre es angesichts der beschriebenen Problematik in den Sojaerzeugerregionen und der Gülleproblematik Ihrer Meinung nach sinnvoll, das Konzept auf die gesamte bayerische Landwirtschaft zu übertragen?
Sinnvoll – ja
Nach Analyse unabhängiger Institute und verschiedener Umweltverbände ist Hauptursache für die Expansion der Sojaanbauflächen in erhaltenswerten Regionen Brasiliens die Nachfrage nach Soja in Japan und vor allen Dingen in Europa und somit auch in Bayern. Ist es nach Ihrer Meinung Pflicht und Aufgabe des bayrischen Staates die Landwirte (die Soja verfüttern) und die MitbürgerInnen (die damit erzeugtes Fleisch und Milchprodukte konsumieren) über diese Zusammenhänge aufzuklären?
Ja
Wenn Umweltverbände Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu dem genannten Thema machen, stellt sich die Frage nach der Finanzierung dieser Arbeit. Sind Sie der Meinung, dass der bayrische Staat Mittel für Umweltverbände für die genannte Problemstellung/Aufgabe bereitstellen sollte?
Aus welchem Etat oder von welcher Stelle müsste die Arbeit finanziert werden?
Werden Sie sich persönlich für eine Finanzierung der genannten Aufgabe einsetzen?
Es wäre wünschenswert – angesichts der Kassenlage denke ich aber nicht, dass derzeit mehr Geld zur Verfügung gestellt werden wird. Wir – von der SPD-Landtagsfraktion - versuchen bei jeder Haushaltsdebatte auch für den Gesamtbereich Umweltbildung zumindest die Gelder zu sichern.
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